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Stefan Wehmeier
»Lass Dich mit (k)einem Verein ein«
(Link: Zu neuen Ufern — Symposien ´11)
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(...) Die Gründung der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck geht auf das Jahr 1924 zurück. Unter den damaligen Gründungsmitgliedern war auch der Maler Karl Trautmann, der später (1961–1976) Vorsitzender der Brucker Künstlerschaft wurde. Die damalige Künstlervereinigung sollte die im Markt Fürstenfeldbruck und Umgebung lebenden Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Musiker unter einem Dach vereinen. Als Ehrenvorsitzender wurde der damals wohl bekannteste Künstler des Brucker Raumes, Franz X. Grässel, gewonnen. Die Künstlervereinigung organisierte regelmäßig Ausstellungen sowie auch die mittlerweile als legendär geltenden Künstlerfeste. Bei der ersten Generalversammlung, am 21. März 1925, wurde der Maler Max Landschreiber zum ersten Vorsitzenden gewählt.
Nun wurde es etwas ruhiger in der Brucker Kunstszene und erst im Jahre 1932 lassen sich anhand der Unterlagen des Stadtarchivs und des Karl-Trautmann-Archivs wieder Ausstellungsaktivitäten der Künstlervereinigung belegen.
Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs polarisierten sich die Gegensätze innerhalb der Künstlerschaft und mehr und mehr lebten sich die eher weltoffenen Mitglieder um Max Landschreiber und die national-provinziell gesinnten Künstler um Arthur Siebner auseinander. Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 blieb somit logischerweise auch für die Brucker Künstlervereinigung nicht ohne Folgen. Letztendlich kam es, auf Antrag von Franz X. Grässel, zur Vereinsauflösung. Mögliche Alternativen zum bestehenden Verein wurden verworfen, zu nahe lag die Gefahr von Ausstellungs- oder Berufsverbot.
An Stelle der Künstlervereinigung trat der nationalsozialistisch ausgerichtete »Fürstenfeldbrucker Kunstring«, dessen Vorsitz der seit 1918 in Bruck lebende Maler Alfons Schneider übernahm.
Der Kunstring unterlag von Beginn an der ständigen Kontrolle durch die NS-Parteistellen. Ordentliche Mitglieder, Fördermitglieder und Ehrenmitglieder konnten nun alle werden, die arischer Abstammung und treudeutscher Gesinnung waren. Eine nette Runde muss sich dort versammelt haben. Trotz Unterstützung der gleichgeschalteten Staatsorgane blieb der Kunstring vom künstlerischen Niveau her weit hinter den selbst gesteckten Zielen zurück und konnte in keiner Phase an die Qualität der vormaligen Künstlervereinigung anknüpfen. Viele Versuche die Künstlerschaft wieder zusammenzuführen scheiterten. Im Jahr 1938 meldeten sich Künstler wie Max Landschreiber, Franz X. Grässel oder Henrik Moor durch ihre Ausstellungsbeteiligung wieder in der Brucker Kunstszene zurück. Moor, in Prag geboren und in New York aufgewachsen, lebte nach Studienjahren in London und Paris bereits seit 1908 in Fürstenfeldbruck. In dieser Zeit entschied sich aber auch das Schicksal, der in Schöngeising lebenden Malerin Johanna Oppenheimer.
1942 wurde sie vom »Sammellager« Milbertshofen in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo sie ein Jahr später ums Leben kam.
1945 endete endlich der Schrecken des Hitler-Regimes und der Nazi-Herrschaft, doch dauerte es noch drei Jahre bis sich der »Brucker Kunstring« mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit auflöste. Am 19. November 1948 wurde die neue »Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck« gegründet. Wie auch in anderen Bereichen des Lebens wirkte die Zeit des Nationalsozialismus jedoch nach. So wurde der Maler Alfons Schneider, der schon bis 1945 dem Kunstring vorstand, zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die Nachkriegszeit gestaltete sich gerade für Berufskünstler schwierig. Die allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten brachten spärliche Verkaufserfolge. Erst mit dem Ende der amerikanischen Militärverwaltung und der Wiederherstellung der politischen Gewalt deutscher Staatsorgane konnte die Künstlervereinigung, dank des Entgegenkommens der Stadt, ihre traditionellen Weihnachtsausstellungen wieder im Rathaus durchführen. Langsam nahmen der Landkreis, die Stadt sowie auch die Sparkasse ihr kulturelles Engagement wieder auf.
Seit 1977 verweist die Sparkasse mit dem Ausstellungs-Zyklus »Maler in Bruck« auf das Wirken der verstorbenen Künstlerinnen und Künstler der Brucker Szene. 1961 starben Landschreiber und Schneider. Karl Trautmann wurde der neue Vorsitzende. Nachdem Trautmann die Künstlervereinigung fünfzehn Jahre lang geleitet hatte, kandidierte er 1976 aus Altersgründen nicht mehr. Sein Nachfolger wurde der in Gröbenzell lebende Bildhauer Arno Visino, der 1987 von dem Maler und Objektkünstler Alto Fertl abgelöst wurde.

Während Fertls recht fruchtbarer Zeit öffnete sich die Künstlervereinigung verstärkt den zeitgenössischen Tendenzen und dem künstlerischen Nachwuchs. Ein Novum bis dahin.
In seine Amtsperiode fällt auch die Inbetriebnahme des Bayerischen Künstlerhauses »Kulturwerkstatt HAUS 10« im Kloster Fürstenfeld, das nach langem Warten die benötigten wie ersehnten Ausstellungsräume bot. Gleichzeitig wurden Werkstätten für Bildhauerei und Druckgrafik eingerichtet. Das Jahr 1991 bildet also eine Zäsur für die Künstlervereinigung, denn mit der Kulturwerkstatt wurde das Ausstellungswesen professionalisiert und zu einer Konstanten im Kulturbetrieb. Einzelne Mitglieder konnten in größeren Zusammenhängen oder Werkübersichten vorgestellt werden, die Möglichkeiten für überregionale Netzwerke wuchsen und der Bekanntheitsgrad der Künstlervereinigung schwappte schnell über die Landkreisgrenzen hinaus. Alto Fertl gab 1992 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt auf. Bis 1993 übernahm der Bildhauer und Maler Gerhard Gerstberger den Vorsitz, der bereits zwischen 1974 und 1992 zweiter Vorsitzender und maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war. Für eine kurze Zeit folgte ihm als Vorsitzender der Maler und Fotograf Johannes Simon nach.
Als Simons Stellvertreterin wurde die in Germering lebende Grafikerin Christine Helmerich gewählt. Als erste Frau trat sie 1996 an die Spitze des Vereins. Christine Helmerich blieb bis 2002 Vorsitzende der Künstlervereinigung und wurde nach sechs Jahren von der in Wenigmünchen lebenden Bildhauerin Hilde Seyboth abgelöst, die bis heute der Brucker Künstlerschaft vorsteht. Seit dem Erscheinen des letzten Mitglieder-Katalogs, 1996, haben sich wichtige Aktionen und künstlerische Veränderungen innerhalb der Vereins-Chronik ereignet, auf die es sich näher einzugehen lohnt. Ein ausschlaggebender Faktor hierbei war und ist sicher die konsequente Förderung von Austauschprojekten mit anderen Kunstvereinen, Galerien und Künstlergruppen auf nationaler wie internationaler Ebene. So wurden in den letzten zehn Jahren Austauschausstellungen mit den Kunstvereinen Passau und Ebersberg, dem Kunstverein Westthüringen, der Künstlervereinigung Dachau, der Galerie Tonnerre de Brest im französischen St. Etienne und dem Kunstraum De Overslag in Eindhoven/Niederlande organisiert und durchgeführt. In aktueller Planung befinden sich Projekte mit der Künstlergruppe »Die Burg« in Burghausen und mit der Innsbrucker Galerie Nothburga. All diese Aktionen unterstreichen die Lebendigkeit sowie den Kommunikationswillen des Vereins, sind neben dem rein integrativen Moment auch zukunftsorientiert und der gelungene Versuch, einer Stagnation vorzubeugen. Möglicherweise, oder vielleicht gerade deshalb ist das Interesse an der Künstlervereinigung gleich bleibend hoch.
In den letzten zwei Jahren sind zehn Neumitglieder aufgenommen worden. In den Werkstätten finden regelmäßig Kurse für Druckgrafik (Radierung, Lithografie) und Plastisches Gestalten (Eisen, Holz, Stein, Keramik) statt. Das Programm richtet sich an Erwachsene ebenso wie an Kinder. Gleichzeitig treffen sich in einem zweiwöchigen Turnus die Freunde des Aktzeichnens im Bildhaueratelier um direkt vor dem Modell zu arbeiten. 1999 fand das 1. Radiersymposion in Fürstenfeld statt. Künstler aus vier Nationen (Spanien, Frankreich, Ungarn, Deutschland) ätzten und druckten drei Wochen in der Werkstatt und präsentierten ihre entstandenen Grafiken als Abschluss in einer gelungenen Ausstellung. Im Bereich des Dreidimensionalen gab es mittlerweile schon zwei Symposien. Nach 1995 fand im letzten Jahr erneut ein Symposion statt. Die acht Teilnehmer sägten, schweißten, klebten oder arbeiteten mit der Natur und setzten markante Positionen im Klosterareal. 1997 wurde das Großprojekt »Wald + Kunst« in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Forstamt verwirklicht. Entlang der Amper, in der Nähe des Jexhofs und im Schöngeisinger Forst entstanden Kunst- und Naturzeichen in der Landschaft. Ein Projekt, das überregionale Anziehungskraft ausübte. Herausragend sicher auch die Ausstellung »Gästeliste« zum zehnjährigen Bestehen der Kulturwerkstatt Haus 10. Zwölf Mitglieder der Künstlervereinigung luden jeweils einen Gast zum Ausstellungstermin.

Neben den Räumlichkeiten in HAUS 10 wurde die gesamte Klosterfläche genutzt um Malerei, Plastik, Fotografie, Installation oder Diaprojektionen in Szene zu setzen. Das gemeinsame Ausstellungsprojekt »Trabanten« mit dem Kunstverein Aichach, der Künstlervereinigung Dachau, dem Kunstverein Ebersberg und dem Neuen Kunstverein Regensburg im Jahr 2003 war das Resultat eines mittlerweile gut funktionierenden Netzwerks. Diese groß angelegte Aktion präsentierte parallel an unterschiedlichen Orten eine komplexe Übersicht bayerischen Kunstschaffens in der so genannten Region. Viele der Veranstaltungen wurden von aufwendigen Publikationen begleitet, was ohne die großzügige finanzielle Unterstützung der Stadt Fürstenfeldbruck, der Brucker Sparkasse, der Kester-Haeusler-Stiftung, des Landratsamtes oder aber des Fördervereins HAUS 10 unmöglich gewesen wäre. Es scheint also, dass der kulturell-gesellschaftliche Auftrag der Künstlervereinigung auf fruchtbaren Boden fällt, wenn man auch manchmal noch immer gegen Windmühlen kämpft. Nun gut, das ist eben Bestandteil der künstlerischen Realität. Aber es geht stringent vorwärts und noch etwas:

Lass Dich mit (k)einem Verein ein!
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Textauszug aus dem Mitgliederkatalog der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck 2006

Quellenverzeichnis
Prof. Dr. Klaus Wollenberg: »Die Geschichte der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck«
in Katalog: Die Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck damals und heute; Fürstenfeldbruck, 1996 Katalog: GÄSTELISTE, Künstler der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck und Gäste; Fürstenfeldbruck, 2001
Chronik: 10 Jahre Kulturwerkstatt HAUS 10, 1991 bis 2001; Fürstenfeldbruck, 2001


 
     
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